9. April 2012
Mit der ersten Wölbung des Bauches kommen sie, die Mutmaßungen und Weisheiten über das Geschlecht des werdenden Kindes. Hierbei soll man schon an der Form des Bauches erkennen können, ob es ein Mädchen oder Junge wird. Was ist dran an diesem Mythos?
Im Zeitalter des Ultraschalls lässt sich das Geschlecht des Kindes mittlerweile sehr früh bestimmen. Denkt man einige Jahrhunderte zurück, als sich die Bestimmung des Geschlechts des Ungeborenen rein auf Erfahrungswerte stützte, wird klar woher diese Volksweisheiten stammen, denen man bis heute immer wieder begegnet. So wird behauptet ein spitzer Bauch beherbergt einen Jungen und der runde Bauch ein Mädchen.
Studien haben zuweilen bestätigt, dass die Bauchform keinerlei Hinweise auf das Geschlecht des Kindes gibt. Allein Haltung, Körperbau, Muskulatur sowie Fruchtwassermenge und Größe des Kindes formen den Bauch der Mutter. Da immer mehr Paare trotz der medizinischen Möglichkeiten bis zum Schluss warten und erst bei der Geburt erfahren wollen, ob es ein Mädchen oder Junge ist, können wir Ihnen nur eines raten, verlassen Sie sich also bloß nicht auf diese Ammenmärchen wenn es um die Farbauswahl der Erstausstattung des Babys geht.
Gleiches gilt für tief und hoch sitzende Babybäuche und die These, dass das Überschreiten des Geburtstermins die Geburt eines Mädchens bedeute. Demzufolge heißt es sprichwörtlich, das Mädchen müsse sich erst noch hübsch machen. Lassen wir unser Augenmerk auf der Schönheit, so besagt der Volksmund, das ungeborene Mädchen ihren Müttern Schönheit nehmen und Jungen ihre Mütter noch schöner werden lassen. Alles Quatsch – es gibt keine Untersuchung, die dies bisher bestätigt. Faustregeln gibt es bei dem Wunder der Natur- der Geburt- schlicht und ergreifend nicht.
2. April 2012
Verliert eine Frau in jeder Schwangerschaft einen Zahn? Dieser Mythos ist weit verbreitet und was wirklich dahinter steckt, haben wir einmal für Sie herausgefunden.
In der Vergangenheit scheint dieser Spruch wahr gewesen zu sein, aber heutzutage ist die Medizin so weit fortgeschritten, dass man dem Zahnverlust entgegenwirken kann. Was jedoch stimmt, schwangere Frauen tendieren häufiger dazu, an Zahnerkrankungen zu leiden. Durch den veränderten Hormonhaushalt (Erhöhung des Progesterons) und der Erweiterung der Gefäße, kommt es zu Zahnfleischblutungen oder auch zu Parodontitis. Neben der Umstellung des Hormonhaushaltes, verändert sich oft auch das Essverhalten der Schwangeren. Sie greifen zu mehr süßen und sauren Nahrungsmitteln, welche Karies verursachen können. Auch das Erbrechen, was viele schwangere Frauen betrifft, kann sich negativ auf die Zähne auswirken. Die aufkommende Magensäure in der Mundhöhle kann Schäden an den Zähnen verursachen.
Es ist also sehr wichtig, speziell während der Schwangerschaft auf die Mundhygiene zu achten. Vor allem aber auch, weil Parodontitis Folgen für die Gesundheit des Ungeborenen haben kann. Man geht davon aus, dass die Rate von Frühgeburten und untergewichtigen Babys sieben Mal höher ist, wenn die Mütter an Parodontitis erkrankt sind.
Sollte eine Frau feststellen, dass sie schwanger ist, wäre es ratsam eine Zahnärztin/einen Zahnarzt aufzusuchen, um zum Beispiel eine professionelle Zahnreinigung durchführen zu lassen oder eine Beratung über Ernährungsrisiken zu erhalten.
Wichtige Informationen für eine Schwangere in Bezug auf ihre Zahngesundheit:
- Aufsuchen der Zahnärztin/des Zahnarztes
- Zähne putzen nach jeder Mahlzeit mit einer weichen Zahnbürste
- jeden Tag Behandlung der Zahnzwischenräume mit Zahnseide
- trotz Übelkeit sollten Zähne vorsichtig geputzt werden
- nach Erbrechen ist es wichtig die Zähne zu putzen, allerdings zunächst den Mund mit Wasser oder Milch ausspülen
- auf die Ernährung achten, das heißt süße und saure Nahrungsmittel nach Möglichkeit nur in Maßen zu essen
- Karies kann auf das Kind übertragen werden, da es eine Infektionskrankheit ist, deshalb ist eine professionelle Behandlung erforderlich
Das schwangere Frauen pro Kind ein Zahn verlieren, bleibt also nur ein Mythos, wenn sie ausreichend Wert auf die Hygiene ihrer Zähne legen.
1. April 2012
Um das Thema Schwangerschaft ranken sich viele Mythen – Jedes Kind kostet ein Zahn? Die Form des Bauches deutet auf das Geschlecht des Kindes hin? Essen für zwei? Heißhunger Gelüste, wie Gurken mit Marmelade? Wir sind diesen Gerüchten mal auf den Grund gegangen.
Der April 2012 steht ganz im Zeichen der Mythen – jeden Montag gehen wir einem Mythos nach und klären euch umfangreich auf.
Wahrheit oder nur Ammenmärchen – das ist hier die Frage!?
26. März 2012
Während der Schwangerschaft macht der Körper einige Veränderungen durch, die unter anderem auch die Haut betreffen. Dabei kann es vorkommen, dass alt hergebrachte Produkte, auf die man schon immer gezählt hat nicht mehr ideal für die persönliche Pflege sind. Zum einen kommt das daher, dass der Körper Wasser einlagert und das Gewebe besser durchblutet wird, zum anderen daher, dass der weibliche Körper eine enorme hormonelle Veränderung erfährt. Das heißt man hat zwar eine rosige und straffe Gesichtshaut, aber es kann auch zu Pickeln, Trockenheit oder fettender Haut kommen.
Die Haut am Bauch, an den Hüften und am Gesäß ist während der Schwangerschaft am meisten strapaziert. Daher empfiehlt es sich täglich (ab dem 3. Monat 2 Mal täglich) die Haut mit einem guten Pflegeöl durch leichtes Zupfen oder kleine kreisende Bewegungen zu massieren, dies fördert die Durchblutung und verbessert so das Dehnungsvermögen des Bindegewebes. Diese Massage kann auch nach der Geburt bei der Rückbildung des Gewebes helfen. Bei der Neigung zu vorzeitigen Wehen, sollte auf große kreisende Bewegungen verzichtet werden. Wer vor der Schwangerschaft schon schwaches Bindegewebe hatte, der kann Dehnungsstreifen womöglich nicht ganz verhindern.
Leiden sie während der Schwangerschaft vor allem unter trockener und juckender Haut sollten sie seifenfreie Waschlotionen benutzen, nicht zu oft duschen und möglichst lange Schaumbäder meiden, um die Haut nicht übermäßig zu reizen. Nach einem Bad sollten sie Ihre Haut mit Öl oder harnstoffhaltigen Cremes pflegen.
Neben der Hormonumstellung kann der Körper allergisch auf Produkte oder Nebenwirkung eines Medikaments reagieren. Im Falle eines Ausschlags sprechen Sie bitte mit Ihrer Hautärztin/ Ihrem Hautarzt, um entsprechende Abhilfe zu schaffen.
Auch ein ausgiebiges Sonnenbad sollten sie möglichst unterlassen. Wenn Sie aber gar nicht auf die Sonne verzichten können, sollten sie zu unparfümierten und pH-Neutralen Sonnenschutzprodukten greifen. Bei Selbstbräunern sollten sie darauf achten, dass sie keine Psoralene enthalten, da sie im Verdacht stehen krebserregend zu sein.
Wenn sie vor der Schwangerschaft unter Akne litten, kann es sehr gut sein, dass die Hautprobleme während der Schwangerschaft deutlich zurückgehen. Wenn sich aber dennoch eine Verschlimmerung der Akne einstellt, müssen sie in jedem Fall Rücksprache mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt halten, da viel Aknemittel während der Schwangerschaft nicht angewandt werden dürfen.
Wenn sie vor der Schwangerschaft keine Allergien oder Überempfindlichkeiten gegen Ihre Kosmetika hatten, können Sie diese durchaus weiter benutzen. Generell sollten Sie seifenfreie, unparfümierte und pH-neutrale Produkte zur Hautpflege während der Schwangerschaft heranziehen und bei gravierenden Hautproblemen Ihre Ärztin/ Ihren Arzt konsultieren.
19. März 2012
In den letzten Wochen kam es zu Fragen und Diskussionen über einen wissenschaftlichen Artikel der unlängst im British Medical Journal publiziert wurde. E.M. Boyle et al: Effects of gestational age at birth on health outcomes at 3 and 5 years of age: population based cohort study; BMJ 2012;344:e896 doi: 10.1136/bmj.e896
In dieser Studie wird die Inanspruchnahme von Krankenhäusern von Kindern im Alter von 9 Monaten und 3 sowie 5 Jahren in Abhängigkeit von der Schwangerschaftswoche (SSW), in der die Geburt stattfand, untersucht. Dabei wurden – nicht wie sonst üblich – die Frühgeburten (Geburt vor der 37.SSW) mit den Nichtfrühgeburten verglichen, vielmehr die Nichtfrühgeburten nochmals in zwei Gruppen unterteilt. Die erste dieser Gruppen umfasst Kinder, die in der 37. bis 38. SSW geboren (in der Studie auch early terms genannt) wurden, die zweite, alle die ab der 39.SSW geboren wurden. Die Frühgeburten wurden – wie auch sonst üblich – in drei Gruppen (unter der 32. SSW, 32.-33. SSW und 34.-36.SSW) unterteilt.
Das zentrale Ergebnis ist: „The population attributable fractions associated with moderate/late preterm and early term birth were larger than those for very preterm birth: 5.7% and 7.2% compared with 3.8% for having at least three hospital admissions between 9 months and 5 years…”
Das Ergebnis wird nun dahingehend missverstanden, dass die Inanspruchnahme von Krankenhäusern durch frühe Termingeburten (37. und 38. SSW) höher ist als bei Frühgeburten. Dies ist natürlich nicht der Fall.
Insgesamt werden 484 der 12583 untersuchten Kinder zwischen dem 9. Lebensmonat und dem 5. Lebensjahr 3 mal und häufiger in ein Krankenhaus aufgenommen, das sind 484/12583= 3,8%. Erwartungsgemäß ist die Krankenhausinanspruchnahme umso höher, je niedriger die Schwangerschaftswoche der Geburt ist. Sehr früh Geborene (<32 SSW) haben zu 14,3% diese Krankenhausinanspruchnahme, die in der 39. SSW und später geborenen nur zu 3,2%. Tatsächlich ist auch die Inanspruchnahme von Krankenhäusern unter Kindern, die in der 37. und 38. SSW geboren wurden mit 4,8% bereits um 50% höher als bei den in der 39. SSW und später Geborenen. Dies zeigt das sogenannte ODDS-Ratio mit einem Wert von 1,5. Die Krankenhausinanspruchnahme verdoppelt sich in der Gruppe der in 34.-36. SSW Geborenen (ODDS-Ratio: 2,0) um in der Gruppe der sehr früh Geborenen um den Faktor 6 zu steigen.
Dies ist alles plausibel und auch für den statistisch nicht versierten Leser nachvollziehbar. Dennoch sind die Aussagen der Studie nicht falsch. Diese betrachtet die Daten jedoch nicht aus der Sicht z.B. der Schwangeren, sondern auch der Sicht des Gesundheitssystems mit der Frage, welche der Gruppen am stärksten zur Krankenhausinanspruchnahme „ beiträgt“. Da die in der 37. und 38. SSW Geborenen unter den Vergleichsgruppen geringerer Schwangerschaftsdauer mit 2563 Fällen die größte Gruppe darstellen, kann das Ergebnis nicht anders ausfallen. Auch wenn die Krankenhausinanspruchnahme dieser Gruppe viel geringer ist als die der „echten“ Frühgeburten, werden durch diese viel mehr Betten belegt, einfach weil die Gruppe größer ist. Alle Schwangeren und werdenden Eltern können dies jedoch vergessen.
Insgesamt zeigen die Daten aber deutlich, dass Frühgeborene in den ersten 9 Lebensjahren häufiger krank sind und häufiger und intensiver im Krankenhaus behandelt werden müssen. Dies gilt schon für die in der 34.-36. SSW Geborenen, von den häufig gesagt wird, dass es sich dabei nicht „wirklich“ um Frühgeburten handelt.
Dr. Wolf Kirschner
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