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Kluge Köpfe für das Jodmangelland der Fischverächter

Was haben Jod und Omega-3-Fettsäuren gemeinsam? Richtig, beide Nährstoffe nehmen wir durch den Verzehr von Fisch auf. Doch es finden sich noch weitere Gemeinsamkeiten:

  • Sowohl Jod als auch Omega-3-Fettsäuren sind sogenannte essentielle Nährstoffe. Sie können nicht vom Körper selbst gebildet werden und müssen über die Nahrung aufgenommen werden.
  • Viele von uns weisen einen Mangel an Jod und Omega-3-Fettsäuren auf, da sie ihren Bedarf nicht allein über die Ernährung zu decken vermögen.
  • Beide sind für die Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten des ungeborenen Kindes verantwortlich.

Letztere ist die vermutlich interessanteste Eigenschaft.

Und die Zahlen sprechen für sich: Mütter mit einer Schilddrüsenerkrankung bekamen zu 19% Kinder mit einem Intelligenzquotienten unter 85. In Deutschland, einem ausgesprochenen Jodmangelgebiet, betrifft das immerhin ein Viertel aller Schwangeren. Für die Bildung der Schilddrüsenhormone ist der Mikronährstoff Jod zuständig. Wird er nicht in ausreichender Menge aufgenommen, hat das fatale Folgen für das ungeborene Kind. Schilddrüsenhormone sind an lebenswichtigen Stoffwechselvorgängen und der Kreislaufregulation beteiligt sowie an Wachstum und Entwicklung von Organen, Gehirn, Muskulatur und Skelett.

Während Schwangerschaft und Stillzeit hängt die Gesundheit und Entwicklung von Ihrer Ernährung ab! Da bis zur 12. Lebenswoche der Stoffwechsel des Kindes von den (Schilddrüsen-) Hormonen der Mutter abhängig ist, gefährdet ein Mangel an Jod die geistige Entwicklung des Ungeborenen. Bereits eine leichte Schilddrüsenunterfunktion der Mutter kann die Intelligenz ihres Kindes mindern. Aber auch wenn die eigene Schilddrüse des Kindes bereits selbstständig arbeitet, ist das Baby noch von der Ernährung seiner Mutter abhängig. Während der Schwangerschaft durch die Plazenta und später über die Milch versorgt die Mutter ihr Baby mit dem essentiellen Mineralstoff Jod. Wichtig ist dabei, den erhöhten Jod-Bedarf während Schwangerschaft und Stillzeit mit einzuberechnen! Während dieser vor der Schwangerschaft bei 180-200µg am Tag lag, benötigen Sie nun 230-260µg. Der Arbeitskreis Jodmangel empfiehlt daher eine Supplementierung von bis zu 150µg Jod pro Tag in Form einer Tablette.

Doch die Omega-3-Fettsäuren stehen Jod in ihrer Wichtigkeit in nichts nach! Diese langkettigen, ungesättigten Fettsäuren lassen sich aus keiner anderen Fettsäure aufbauen und müssen daher, wie Jod, mit der Nahrung aufgenommen werden. Alpha-Linolsäure findet sich vor allem in Pflanzenölen, während die anderen beiden Formen der Omega-3 Fettsäure EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure) wie Jod in fettreichen Seefischen vorkommen. Für die Schwangerschaft spielen gerade EPA und DHA eine wichtige Rolle. Der Kinderarzt Professor Dr. Berthold Koletzko vom Münchner Universitätsklinikum sieht gerade bei DHA eine maßgebliche Beteiligung an der Entwicklung der kognitiven und motorischen Fähigkeiten, aber auch positive Auswirkungen auf ein besseres Sehvermögen. Kinder von Müttern mit hoher DHA-Aufnahme wiesen in allen drei Bereichen bessere Ergebnisse auf als eine Vergleichsgruppe.

3 für 3: Omega-3-Fettsäuren für Geist, Motorik und Sehvermögen

Auch Joseph Hibbeln von der US-Gesundheitsbehörde NIH in Bethesda/ Maryland kam nach einer Studie über den Zusammenhang des Fischkonsums der Mutter und der Intelligenz ihres Kindes zu gleichen Ergebnis: Der Konsum von Fisch und Meeresfrüchten wirkte sich nach seinen Beobachtungen vor allem positiv auf die sogenannte verbale Intelligenz aus. Kinder -gleich welchen Geschlechts- deren Mütter mindestens 340gr Fisch pro Woche aßen, zeigten sich geschickter im Umgang mit Sprache. Gleichzeitig fanden sich Kinder von Müttern, welche weniger als drei Portionen Fisch in der Woche aßen, überdurchschnittlich häufig im unteren IQ-Viertel der Probanden.

Bis ins Schulalter hinein wirken sich Omega-3-Fettsäuren positiv auf die Entwicklung von Säuglingen und Kleinkindern aus. In Untersuchungen in Bezug auf Intelligenz, Sozialverhalten und Sprachverständnis schnitten Vier- und Achtjährige mit ausreichender Omega-3-Versorgung besser ab als minder versorgte Kinder gleichen Alters.

DHA und EPA vs. ADHS
Auch lässt sich ein Zusammenhang zwischen Lern- und Aufmerksamkeitsstörungen, insbesondere ADHS und einem Mangel an Omega-3 Fettsäuren herstellen. Und dies nicht nur bei Kindern: ADHS-Patienten zeigten überdurchschnittlich häufig zu niedrige DHA und EPA Werte, so Privatdozent Dr. Gunter P. Eckert vom Pharmakologischen Institut der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Aufgrund dieser Beobachtungen wurden Studien zu Behandlungsmöglichkeiten von ADHS mit Omega-3-Fettsäuren unternommen. Mit überzeugenden Ergebnissen: Bei einem Teil der Betroffenen linderten sich die Symptome soweit, dass auf ADHS-Medikamente vollkommen verzichtet werden konnte. „Super“, werden sich jetzt die Nicht-Fischesserinnen vielleicht denken, „ich gehe also das Risiko ein, ein minderintelligentes, anti-soziales Kind mit schlechtem Sehvermögen zu gebären, nur weil ich ungern Fisch esse!“. Und auch Vegetarierinnen dürften jetzt leicht beunruhigt sein. Doch keine Sorge, es gibt unzählige Angebote an gut kombinierten, geschmacksneutralen Nahrungsergänzungsmitteln, die Sie optimal versorgen.

Vermutlich nehmen Sie bereits ein Folsäurepräparat ein. Diese sind meist durch Jod ergänzt. Versichern Sie sich, dass dies bei Ihrem gegeben ist und wechseln Sie gegebenen Falls das Produkt. Omega-3-Fettsäurekapseln sind bereits für kleines Geld in den meisten Drogerien erhältlich (z.B. von Doppelherz).

Mehr zum Thema Ernährung und eine Tabelle über wichtige Mikronährstoffe in der Schwangerschaft finden Sie im BabyCare-Handbuch (S. 100 ff.)

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Info:
Kluge Köpfe für das Jodmangelland der Fischverächter ist Beitrag Nr. 1372
Autor:
renate.kirschner am 1. Juli 2013 um 13:08
Category:
Ernährung
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1 Kommentar

  1. Stillen: mehr als koerpereigene Milchbar | Netzwerk Frauengesundheit - Ratgeber für Frauenheilkunde

    […] sind an allen Zellteilungsprozessen beteiligt und somit für das Wachstum des Kindes unerlässlich. Jod braucht es für die Bildung und Funktion der Schilddrüsenhormone. Eine neue Studie zeigt sogar, dass der kindliche IQ umso höher  wird, je besser die Mutter […]

    #1 Pingback vom 26. September 2013 um 15:34

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