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Fitnesstracker (Wearables) in der Schwangerschaft – gesundheitlich unbedenklich?

Können Fitnesstracker während der Schwangerschaft bedenkenlos getragen werden?

Können Fitnesstracker während der Schwangerschaft bedenkenlos getragen werden?

Bei der Frage, ob das Fitnesstracker während der Schwangerschaft bedenkenlos getragen werden können, sind drei Aspekte von Interesse:

  1. Ist deren Verwendung gesundheitlich unbedenklich? (Strahlungsrisiko)
  2. Sind die durch Fitnesstracker gelieferten Informationen korrekt?
  3. Bestehen möglicherweise weitere gesundheitliche Risiken?

Fitnesstracker: Einführung

Hochfrequente elektromagnetische Felder (EMF) sind in unserem Alltag allgegenwärtig, z.B. durch Handys, Smartphones, Wearables, WLAN, Mobilfunk, Bluetooth, elektrische Geräte oder Hochspannungsleitungen, Nutzung von Autos, Zügen, U-Bahn oder S-Bahn und vielem anderen mehr. Die Belastung durch EMF kann gemessen werden. Eine Studie in der Schweiz ergab, dass die mittlere Belastung im Durchschnitt 0,21 Volt pro Meter (V/m) betrug und damit deutlich unter den Grenzwerten, die zwischen 40 bis 61 V/m liegen. Die Studie zeigte jedoch auch erhebliche Belastungsunterschiede nach den Lebensgewohnheiten der Testpersonen. Die höchsten Belastungen werden im Alltag in den öffentlichen Verkehrsmitteln gemessen (bis zu 0,72 V/m). Die eigene Handynutzung, aber auch die Exposition durch EM-Felder in Räumen oder Fahrzeugen trägt in hohem Maße zur persönlichen Belastung bei. Um diese zu minimieren, soll die Spezifische Absorptionsrate (SAR) eines Handys nicht mehr als 2 Watt pro Kilogramm betragen. Die Strahlenintensität der Fitnesstracker liegt deutlich unter der der Handys. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass Verwenderinnen diese oft über einen längeren Zeitraum tragen.

Fitnesstracker: Gesundheitsrisiko durch Strahlung?

Über die gesundheitlichen Risiken elektromagnetischer Felder gibt es viele Diskussionen aber wenig gesicherte Erkenntnisse. Dies liegt auch daran, dass die oft behaupteten Risiken für Krebserkrankungen schwer nachzuweisen sind, da diese erst nach Jahrzehnten eintreten und nur schwer auf bestimmte Expositionen, wie z. B. die Handynutzung zurückgeführt werden können. Die unzureichende Datenlage gilt letztlich auch für die gesundheitlichen Risiken in der Schwangerschaft. Hier liegen einige Studien mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen vor. Während einige Studien bei einer Belastung durch EMF in der Schwangerschaft ein erhöhtes Fehlgeburtsrisiko [1] oder Risiken für kognitive bzw. intellektuelle Probleme des Kindes [2] sehen, zeigen andere Studien hier keine Zusammenhänge.

Unstrittig ist allerdings, dass ein mögliches gesundheitliches Risiko mit der aufgenommenen Strahlungsmenge steigt, womit ein vorsichtiger Umgang mit den Geräten und Strahlenquellen anzuraten ist. Aus diesem Grund ist es gerade in der Schwangerschaft überlegenswert, auf eine weitere Strahlungsquelle zunächst zu verzichten. Generell gilt es unter der Maxime des vorbeugenden Gesundheitsschutzes, die Risiken aus nichtionisierender Strahlung in der Schwangerschaft zu verringern.

Sind die Berechnungen der Fitnesstracker richtig?

In Bezug auf die Wearables könnten aber gerade in der Schwangerschaft zusätzliche gesundheitliche Risiken durch ungenaue oder falsche Messungen, die Schwangere zum Beispiel zu hoher körperlicher Aktivität veranlassen, bestehen. Hier geht es also um die Frage, ob die Fitnesstracker im Vergleich zu Goldstandardmethoden richtig, d. h. valide messen. Eine amerikanische Untersuchung aus dem Jahr 2014 [3] untersuchte acht Wearables und verglich die Ergebnisse zum Kalorienverbrauch mit den Ergebnissen der Atemgasmessung (Sauerstoffaufnahme und der Kohlendioxidausstoß, mit dem der Kalorienverbrauch ermittelt werden kann). Hier ergaben sich Abweichungen zwischen 9 % und 24 %. Allerdings lag nur ein Gerät deutlich außerhalb des statistischen Schwankungsbereichs und unterschätzte den Kalorienverbrauch deutlich. In einer anderen Studie wurde in Bezug auf die Herzfrequenzmessung Messungen mittels EKG, Brustgurtmessung und zwei Wearables verglichen. Gemessen an der EKG-Messung ergab die Brustgurtmessung eine Genauigkeit von 95 %, die getesteten Wearables eine Genauigkeit von 95 % bzw. 93 %. Insgesamt kann man also von einer durchaus zufriedenstellenden Genauigkeit der Messungen ausgehen.

Bestehen möglicherweise weitere gesundheitliche Risiken?

Die Armbänder der Fitnesstracker bestehen aus flexiblem Kunststoff (Elastomere) und können prinzipiell Hautirritationen oder sogar Allergien auslösen. Manche Armbänder sollen sogar chemische Schadstoffe (Phthalat-Weichmacher DEHP) enthalten.

Fazit

Die zusätzliche Strahlenbelastung ist vergleichsweise gering. Die Messgenauigkeit der meisten Geräte ist als gut bis zufriedenstellend einzuschätzen. Die Kunststoffarmbänder können Hautirritationen und auch Allergien auslösen.

Autor: Dr. Wolf Kirschner (Leiter der Abteilung Evaluation und Forschungsplanung der FBE Forschung Beratung Evaluation GmbH in Berlin)

Bild-Copyright © Free-Photos pixabay

Bibliographie:

[1] De-Kun Li et al.: Exposure to Magnetic Field Non-Ionizing Radiation and the Risk of Miscarriage: A Prospective Cohort Study, Scientific Reportsvolume 7, Article number: 17541 (2017)

 

[2] Hall, P. et al.: Effect of low doses of ionising radiation in infancy on cognitive function in adulthood: Swedish population based cohort study. BMJ. 2004 Jan 3;328(7430):19.

 

[3] Lee JM, Kim Y, Welk GJ.:1Validity of consumer-based physical activity monitors. Med Sci Sports Exerc. 2014 Sep;46(9)

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Info:
Fitnesstracker (Wearables) in der Schwangerschaft – gesundheitlich unbedenklich? ist Beitrag Nr. 5322
Author:
renate.kirschner am 16. März 2018 um 09:00
Category:
Allgemeine Informationen,Freizeit,Schwanger,Sport
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